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Purchase-to-Pay (P2P), auch Procure-to-Pay genannt, ist ein Prozess im Geschäftsmanagement, der den gesamten Lebenszyklus der Beschaffung von Waren und Dienstleistungen umfasst – und zwar von der ersten Kaufentscheidung bis zur finalen Zahlung an den Lieferanten. Der P2P-Prozess ist ein zentraler Bestandteil der Beschaffungs- und Finanzabläufe eines Unternehmens. Eine Optimierung dieses Prozesses bietet daher erhebliches Potenzial für Effizienzsteigerungen.

Effektive P2P-Prozesse vereinfachen Einkaufsaktivitäten, verbessern das Finanzmanagement und fördern starke Lieferantenbeziehungen. Sie können außerdem zu Kosteneinsparungen führen, etwa durch bessere Verhandlungen mit Lieferanten, optimiertes Bestandsmanagement und rechtzeitige Zahlungen.

Darüber hinaus sorgt P2P für eine bessere Einhaltung von Finanzvorschriften und internen Richtlinien, indem es Verfahren standardisiert und klare Audit-Trails bereitstellt. Unternehmen profitieren von wertvollen Einblicken in Ausgabentrends, Lieferantenleistung und potenzielle Einsparungsbereiche. Also alle Informationen, die entscheidend für strategische Entscheidungen und die gesamte Finanzplanung sein können.

Zentrale Punkte

  • Von der Bedarfsmeldung bis zur Zahlung: Ein gut ausgeführter P2P-Prozess verbessert die finanzielle Kontrolle, die Lieferantenbeziehungen und die Compliance.
  • Ohne Standardisierung und Automatisierung sehen sich Unternehmen mit Verzögerungen, Fehlern, Betrugsrisiken und verpassten Einsparmöglichkeiten konfrontiert..
  • Automatisierung, Echtzeit-Transparenz und KI-Integration machen P2P zu einem Hebel für Kostensenkung, kluge Entscheidungen und zukunftsfähige Beschaffung.

Source-to-Pay vs. Purchase-to-Pay: Was ist der Unterschied?

Während Source-to-Pay (S2P) und Purchase-to-Pay beide zentrale Bestandteile des Beschaffungsprozesses sind, hat jeder Prozess einen eigenen Fokus und eine unterschiedliche Reichweite.

S2P ist ein umfassender Prozess, der mit der Identifizierung und Auswahl von Lieferanten beginnt und sich über Sourcing und Vertragsverhandlungen erstreckt. Er umfasst zudem alle weiteren Einkaufsaktivitäten sowie die strategischen Aspekte der Beschaffung, etwa das Lieferantenmanagement und die Marktanalyse.

Beim Purchase-to-Pay handelt es sich um einen Teilbereich des umfassenderen S2P-Prozesses, der sich speziell auf die transaktionale Phase der Beschaffung konzentriert. Dazu gehören die Schritte von der ersten Bestellanforderung bis hin zur finalen Zahlung, einschließlich Auftragsmanagement, Wareneingang, Rechnungsverarbeitung und Zahlungsabwicklung.

Während Source-to-Pay eine ganzheitliche Sicht auf die Beschaffung von der Lieferantenauswahl bis zur Zahlung bietet, konzentriert sich Purchase-to-Pay auf die operativen Aspekte des Einkaufsprozesses und die Bezahlung von Waren und Dienstleistungen.

Wichtige Schritte im Purchase-to-Pay-Prozess

Die folgenden Schritte im Purchase-to-Pay-Prozess gewährleisten effiziente, transparente und effektive Abläufe von der Bestellung bis zur Zahlung:

  1. Bedarfsmeldung: Zunächst identifiziert ein Unternehmen den Bedarf an einem Produkt oder einer Dienstleistung. Sobald der Bedarf feststeht, wird eine Bestellanforderung mit allen Details erstellt, einschließlich Menge, Spezifikationen und Lieferzeitrahmen und wird dann schließlich eingereicht.
  2. Genehmigungen: Die Bestellanforderung wird von Entscheidungsträgern überprüft, um sicherzustellen, dass sie mit dem Budget, den Anforderungen und den Richtlinien der Organisation übereinstimmt.
  3. Bestellung erstellen: Nach der Genehmigung wählt das Beschaffungsteam einen geeigneten Lieferanten aus und verhandelt die Konditionen. Anschließend wird eine Bestellung (Purchase Order, PO) an den Lieferanten ausgestellt, die als formale Vereinbarung für den Einkauf dient.
  4. Warenannahme und Prüfung: Die Wareneingangsabteilung überprüft die gelieferten Produkte oder erbrachten Dienstleistungen anhand der Bestellung (PO) und kontrolliert Qualität sowie Genauigkeit.
  5. Auftragsabgleich: Vor der Zahlung erfolgt in der Regel ein sogenannter „Three-Way-Match“ zwischen Bestellung, Waren- bzw. Leistungsnachweis und der Rechnung des Lieferanten, um sicherzustellen, dass die Rechnung den erhaltenen Waren oder Dienstleistungen entspricht.
  6. Rechnungsfreigabe und Verarbeitung: Sobald die Rechnung geprüft ist, wird sie zur Zahlung freigegeben.
  7. Zahlung: Die Finanzabteilung führt die Zahlung gemäß den vereinbarten Konditionen durch und dokumentiert alle relevanten Unterlagen für die Buchhaltung. Diese Daten sind entscheidend für Finanzberichte, Budgetplanung und die Analyse von Ausgabemustern zur Optimierung zukünftiger Beschaffungsstrategien.
Die Etappen des Purchase-to-Pay Przoesses

Jeder Schritt im P2P-Prozess spielt eine entscheidende Rolle, um eine effektive Beschaffung, finanzielle Rechenschaftspflicht und starke Lieferantenbeziehungen sicherzustellen. Moderne Unternehmen setzen dabei häufig auf digitale Tools und Einkaufssoftware, um Bestellungen zu automatisieren und zu optimieren, was die Effizienz steigert und die Fehleranfälligkeit reduziert.

Herausforderungen & Stolpersteine im P2P-Prozess

Viele Unternehmen beobachten, dass die Risiken in der Beschaffung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben. Eine Modernisierung des Purchase-to-Pay-Prozesses ist daher ein zentraler Schritt, um diese Risiken wirksam zu reduzieren.

Doch welche Stolpersteine und Fallstricke gibt es konkret? Ein zentraler Punkt ist das Fehlen von Prozessstandardisierung und Automatisierung, was zu ineffizienten Abläufen, Fehlern und Verzögerungen führen kann. Ein weiteres erhebliches Problem ist eine unzureichende Kommunikation und Koordination zwischen verschiedenen Abteilungen. Unklare Rollen und Verantwortlichkeiten führen oft zu Verwirrung, doppelter Arbeit oder Engpässen, besonders in Organisationen, in denen Beschaffung, Finanzabteilung und Wareneingang isoliert voneinander arbeiten.

Dieses mangelnde Zusammenspiel kann außerdem dazu führen, dass Mengenrabatte nicht genutzt oder Lagerbestände nicht optimal gesteuert werden.

Die Nichteinhaltung interner Kontrollen, regulatorischer Standards oder vertraglicher Bedingungen kann rechtliche und finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen. Darüber hinaus ist der Purchase-to-Pay-Prozess anfällig für Betrug und Sicherheitsrisiken, insbesondere im Umgang mit sensiblen Finanzdaten und Transaktionen. Schließlich kann ein unzureichendes Lieferantenmanagement zu schlechter Servicequalität, Störungen in der Lieferkette und zu einer zu starken Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten führen.

Diese Herausforderungen können sich direkt auf die Profitabilität und die operative Leistungsfähigkeit eines Unternehmens auswirken. Sie zu überwinden, erfordert einen modernen und automatisierten Ansatz.

Vorteile der Automatisierung im Purchase-to-Pay-Prozess

Die Automatisierung des Procure-to-Pay-Prozesses kann die Effizienz, Genauigkeit und den strategischen Wert von Beschaffungs- und Finanzprozessen in einem Unternehmen erheblich steigern. Durch Automatisierung werden zeitaufwändige manuelle Aufgaben wie Dateneingaben und Dokumentenabgleiche überflüssig, sodass Mitarbeiter ihre Energie auf strategisch wichtigere Tätigkeiten konzentrieren können.

Procure-to-Pay-Software bietet eine aktuelle Einsicht in den gesamten Beschaffungsprozess. Entscheidungsträger können so den Status von Bestellungen verfolgen, Ausgaben überwachen und die Leistung von Lieferanten analysieren. Dies fördert eine effektive Finanzplanung und Compliance. Durch die Optimierung des P2P-Prozesses reduzieren Unternehmen nicht nur Personalkosten, sondern identifizieren auch zusätzliche Einsparpotenziale und vermeiden Mahngebühren, indem Zahlungen fristgerecht erfolgen.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Automatisierte Einkaufssoftware verbessert die Lieferantenbeziehungen. Das geschieht durch effiziente Auftragsabwicklung, pünktliche Zahlungen und Self-Service-Portale, über die Lieferanten den Status ihrer Rechnungen einsehen können – was den Bedarf an frustrierender Wechselkommunikation deutlich reduziert.

Modernisierung des Purchase-to-Pay-Prozesses

Neben der Automatisierung wird die Weiterentwicklung des P2P-Prozesses durch neue Technologien und veränderte Geschäftspraktiken beeinflusst. So kann zum Beispiel Generative KI in der Beschaffung eingesetzt werden, um Bestellungen (POs) auf Basis vorausschauender Analysen zu erstellen oder die Einkaufserfahrungen individuell auf Nutzerbedürfnisse zuzuschneiden und zwar basierend auf früherem Verhalten. KI-gestützte Datenanalysen ermöglichen präzise Bedarfsprognosen und ein verbessertes Bestandsmanagement, während autonome Interaktionen mit Lieferanten Verhandlungen vereinfachen und beschleunigen.

Darüber hinaus wird Generative KI das Risikomanagement und die Compliance-Überwachung stärken, indem potenzielle Probleme frühzeitig erkannt und passende Lösungen vorgeschlagen werden. Die Integration von KI mit Technologien wie Blockchain könnte die Transaktionssicherheit und Transparenz zusätzlich erhöhen, insbesondere bei Vertrags- und Zahlungsprozessen.

Künftig wird der Fokus im Purchase-to-Pay-Prozess stärker auf der strategischen Zusammenarbeit mit Lieferanten liegen. Mithilfe von Daten und Analysen werden Unternehmen versuchen, engere und für beide Seiten vorteilhafte Partnerschaften aufzubauen und langfristig zu pflegen. Ebenso wird ein größerer Fokus auf Nachhaltigkeit und ethisches Sourcing gelegt werden, da Unternehmen zunehmend die ökologischen und sozialen Auswirkungen ihrer Beschaffungsentscheidungen berücksichtigen.

Zudem werden P2P-Prozesse voraussichtlich enger mit anderen Unternehmenssystemen und -funktionen verbunden sein. Darunter Enterprise Resource Planning (ERP) und Customer Relationship Management (CRM). Das ermöglicht eine ganzheitliche Sicht auf das Unternehmen und verbessert die bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Da P2P-Prozesse gleichzeitig immer stärker digitalisiert und datengetrieben werden, ist die Sicherstellung von Datensicherheit und Datenschutz bei Transaktionen und Lieferantendaten von entscheidender Bedeutung.

Best Practices im Purchase-to-Pay-Prozess

Hier sind einige Best Practices, die Sie bei der Modernisierung Ihres P2P-Ansatzes berücksichtigen sollten:

  • Standardisierte Verfahren implementieren: Einheitliche Abläufe im gesamten P2P-Prozess reduzieren Fehler und Ineffizienzen. Investieren Sie in Automatisierung, um die Abläufe weiter zu optimieren.
  • Kommunikation und Zusammenarbeit verbessern: Fördern Sie den Austausch zwischen Abteilungen durch regelmäßige Meetings, klare Dokumentation von Prozessen und gemeinsame Leistungskennzahlen. Nutzen Sie kollaborative Tools und Plattformen, um die Koordination zu erleichtern.
  • Starke interne Kontrollen und Compliance-Mechanismen etablieren: Minimieren Sie rechtliche und finanzielle Risiken durch regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter zu Compliance-Standards.
  • Erweiterte Cybersecurity-Maßnahmen einführen: Schützen Sie sensible Daten und Transaktionen vor Betrug und Sicherheitsverletzungen durch moderne Sicherheitslösungen.
  • Strategisches Lieferantenmanagement entwickeln: Gehen Sie Lieferkettenrisiken aktiv an. Mit regelmäßigen Leistungsbewertungen, Diversifizierung der Lieferanten und offener Kommunikation für kontinuierliches Feedback.
  • KPIs verfolgen und analysieren: Nutzen Sie Analysetools, um Engpässe, Ausgabemuster und Einsparpotenziale zu identifizieren.

Durch die Umsetzung dieser Strategien können Unternehmen die Effizienz, Genauigkeit und Wirksamkeit ihres Purchase-to-Pay-Prozesses erheblich steigern.

Werfen wir nun einen Blick darauf, wie ein Unternehmen seine Beschaffungsprozesse innerhalb kürzester Zeit im gesamten Betrieb verbessern konnte..

Beschaffung effizienter: Wie Hiscox mit Ivalua Kontrolle und Regelkonformität stärkt

Hiscox, ein global tätiger Spezialversicherer, hatte sich zum Ziel gesetzt, seine Beschaffungsfunktion in ein vollständig vernetztes, datengetriebenes Supply-Chain-Ökosystem zu verwandeln. Vor dieser Transformation verfügte das Unternehmen über keine zentrale Beschaffungsplattform, steuerte lediglich rund 20 % seiner Gesamtausgaben und stand vor erheblichen Herausforderungen bei der Einhaltung komplexer regulatorischer Anforderungen im Finanzdienstleistungssektor. Manuelle Risiko- und Compliance-Prozesse sowie eine geringe Systemintegration führten zu eingeschränkter Transparenz und wachsenden operationellen Risiken.

Nur zwei Jahre nach der Implementierung von Ivalua konnte Hiscox die verwalteten Ausgaben von 20 % auf 60 % verdreifachen und bewegt sich klar in Richtung 90 %. Die einheitliche Source-to-Pay-Plattform bildet heute das Fundament der Beschaffungsprozesse bei Hiscox. Sie unterstützt die Automatisierung von Lieferantenprüfungen, Versicherungsverifikationen und Risikobewertungen, was entscheidend ist, um die Compliance mit neuen Vorschriften wie DORA sicherzustellen.

“Unser wichtigster Maßstab ist, die Ausgaben unter Kontrolle zu bekommen. Als wir diese Reise begonnen haben, lagen sie bei etwa 20 %, Ende letzten Jahres lag er schon bei knapp 60 %. In nur zwei Jahren haben wir also sehr beachtliche Fortschritte erzielt”
– Karl Poulsen, Chief Procurement Officer, Hiscox

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FAQs


Purchase-to-Pay ist der End-to-End-Prozess der Bedarfsmeldung, Beschaffung, Warenannahme, Rechnungsstellung und Bezahlung von Waren und Dienstleistungen. Er verbindet Procurement und Finance, um effiziente, präzise und regelkonforme Einkaufsabläufe sicherzustellen.





Eloise Barnum

Eloise Barnum

Senior Content Marketing Manager, Produktmarketing

Eloise Barnum leitet die globalen Content-Initiativen für das Produkt- und Kundenmarketing-Team bei Ivalua. Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in den Bereichen Technologie, SaaS, öffentlicher Sektor und Gesundheitswesen fördert sie die teamübergreifende Zusammenarbeit, um wirkungsvolle Produkt- und digitale Inhaltsstrategien zu entwickeln. Heute setzt sie generative KI-Tools ein, um Inhalte zu optimieren, die Marketing-Automatisierung zu rationalisieren und die ethische Nutzung von KI im Einklang mit Datenschutz- und Governance-Standards sicherzustellen. Verbinden Sie sich mit Eloise auf LinkedIn.

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